Mai 16

Schreibinspiration: So findest du sie

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Es gibt einen Schreibmythos, der sich hartnäckig hält und der geht ungefähr so:
Den Autor oder die Autorin überkommt ganz plötzlich die Inspiration, die Muse taucht auf und der kreative Funke springt über. Er oder sie setzt sich an die Schreibmaschine (natürlich schreibt keiner mehr auf einer Schreibmaschine, aber das Bild ist nun mal stimmungsvoller). Die Worte fließen nur so aufs Papier, es entstehen geniale Texte und alles ist so … mühelos. Inspiriert. Kreativ.

Kreatives Schreiben braucht Kreativität und Schreibinspiration. Und die hat man oder eben nicht. Richtig? Falsch.

Warum du nicht auf Inspiration warten brauchst

Wenn alle, die regelmäßig oder beruflich schreiben, immer auf den kreativen Funken und die Muse warten würden, wäre das ungefähr so, als würdest du immer auf die ultimative Inspiration warten, bevor du Essen kochst.

Du kochst, weil du hungrig bist (oder die Familie) und du schreibst, weil du schreiben willst, musst oder nicht ohne kannst. „Aber wo bleibt da die Kreativität, die Inspiration?“ fragst du vielleicht. Und du hast recht. Beides hilft enorm. Beim Schreiben und auch beim Kochen. Aber du musst nicht warten, bis sie auf wundersame Weise auftauchen. Du kannst Schreibkreativität trainieren. Die Inspiration kommt dann von selbst dazu.

Kreativität kann man trainieren wie einen Muskel

Kreativität ist die Fähigkeit, etwas zu schaffen, das es vorher nicht gab. Das kann eine Mahlzeit aus den Zutaten sein, die du noch im Kühlschrank gefunden hast, eine nützliche Lösung für ein Alltagsproblem, ein großformatiges Ölgemälde oder eben ein Text.

Jeder Mensch wird mit Kreativität geboren, mit Neugier und Entdeckerdrang. Die meisten Menschen gewöhnen sich das im Laufe des Lebens nur wieder ab.

Kreativität ist kein Vorrat, den man sorgsam hüten muss und auf den man nur zu besonderen Anlässen zugreift. Sie ist eher wie ein Muskel. Je öfter du sie verwendest, desto stärker und präsenter wird sie. Andersherum gilt das genauso. Die spannende Frage: Wie trainiert man seine Kreativität, um (kreativer) zu schreiben?

Entwickle Schreibroutinen

Ich weiß, es hört sich nicht besonders kreativ und inspiriert an, aber Routinen helfen. Wenn du etwas regelmäßig machst, kannst du kaum verhindern, dass du besser darin wirst. Das gilt auch fürs Schreiben. Statt auf Inspiration zu warten, planst du dir Zeiten fürs Schreiben ein.

Das können flexible Zeitblöcke sein, wenn du länger am Stück schreiben möchtest. Die kannst du dir tatsächlich ganz normal in deinen Tagesablauf planen: 30 Minuten oder 1 Stunde schreiben.

Du kannst dir auch feste Schreibzeiten einrichten. Immer morgens oder abends oder zweimal die Woche oder immer sonntags … was dir passend erscheint.

Pro-Tipp: Damit du nicht zu viel darüber nachdenkst, was du jetzt schreibst und wie und überhaupt, um dann schlussendlich kein Wort zu Papier zu bringen, hilft dieser Trick: Setz dich ein bisschen unter Druck und schreibe gegen die Uhr. Speedwriting quasi. Lass einen Timer laufen, der sich meldet, wenn deine 15 oder 30 Minuten um sind. Versuche in dieser Zeit so viel wie möglich runterzuschreiben. Schön machen kannst du es dann immer noch mit Muße.

Mut zu mittelmäßigen Texten

Regelmäßiges Schreiben und Speedwriting funktionieren nicht ohne Mut zu dämlichen Texten. Nicht jeder Text, den du schreibst, wird ein literarischer Meilenstein. Das ist auch überhaupt nicht nötig. Wenn du dir etwas von der Seele schreibst oder Tagebucheinträge verfasst oder an einem ersten Entwurf arbeitest, darf ein Text auch mittelmäßig bis mies sein. Der Job solcher Textes ist es nicht, gut auszusehen.

Inspiration ist immer ein bisschen geklaut

„Kreativität ist die Fähigkeit, etwas zu schaffen, was es vorher noch nicht gab“ schrieb ich weiter oben. Das heißt übrigens nicht, dass dies absolut bahnbrechend und einmalig originell sein muss. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ notierte schon König Salomo und das war lange vor Buchdruck und Internet.

Selbst kreative Genies entwickeln ihre Ideen nicht im luftleeren Raum. Neues entsteht immer durch Kombinieren und Weiterentwickeln. Das Buch „Steal like an artist“ von Austin Kleon (dt. „Alles nur geklaut“) bringt die Sache mit Ideen und Inspiration wunderbar auf den Punkt. Es geht nicht darum, zu plagiieren und die Ideen anderer als eigene auszugeben (das ist immer Bäh! sowie moralisch und rechtlich fragwürdig). Es geht ums Sammeln von Inspiration und um das Verbinden, Kombinieren, Weiterentwickeln und Ausprobieren.

Kreatives Schreiben ist wie ein Puzzle oder Mosaik, bei dem du schaust, was passiert, wenn du verschiedene Teile zusammensetzt. Du findest bestimmte Textformen oder Schreibstile spannend? Experimentiere selbst damit. Kombiniere Ideen miteinander und gib ihnen deinen eigenen Dreh und deine eigene Stimme.

Sorge für Nachschub

Kreativität ist kein endlicher Vorrat, den du sorgsam hüten musst. Aber sie ist ein bisschen wie ein Stausee. Damit das Wasser frisch bleibt und der See nicht austrocknet, muss immer wieder etwas nachkommen.

Dieser Nachschub ist aber gar nicht schwer zu beschaffen. Sorge einfach für Eindrücke. Das kann so einfach sein wie ein Spaziergang über die Felder oder durch den Wald. Selbst ein Ausflug in den eigenen Vorgarten kann zur Inspirationsquelle werden, wenn du dir die Pflanzen dort einmal ganz genau anschaust.

Finde heraus, was bei dir für kreatives Kribbeln sorgt. Inspiration findet sich an den unterschiedlichsten Orten: für manche in der Musik oder bildenden Kunst. Andere gehen ins Museum oder in Buchläden. Wieder andere blättern Zeitschriften durch, besuchen einen Baumarkt oder beobachten Menschen im Park. Was ist dein Ding?

Kurz und knapp

Du musst nicht auf Inspiration warten, bevor du anfängst zu schreiben. Sie taucht nach einer Weile von selbst auf. Du kannst jedoch einiges dafür tun, um sie anzulocken und deinen kreativen Muskel trainieren.

  • Sammle Eindrücke und gehe mit offenen Augen durch die Welt.
  • Schreibe regelmäßig und lass dich von mittelmäßigen Ergebnissen nicht abschrecken.
  • Und vor allem: Experimentiere, probiere aus, kombiniere. Du weiß schon: Steal like an artist.

Und jetzt plane dir deine nächste Schreibzeit ein. Ganz egal, ob du Tagebuch schreiben möchtest, ein Gedicht, einen Blogbeitrag oder eine Geschichte. Mach einfach mal.


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