August 20

Gedanken sortieren

Von Marie Kondo haben wir gelernt, wie man sortiert und ausmistet, Socken und Shirts in kleine Päckchen faltet und alle Dinge rauswirft, bei denen man keine Glücksgefühle verspürt.
Ballast loswerden kann sehr befreiend sein. Und wie das in Küche, Keller und Kleiderschrank funktioniert, ist ziemlich selbsterklärend. Aber was ist mit Gedanken. Kann man Gedanken sortieren?

Das Gedankenkarussell stoppen

Ich muss gestehen, dass mich das Chaos in meiner Sockenschublade völlig kalt lässt. Das kann ich ignorieren, solange ich nicht nur noch Einzelsocken habe. Schublade zu, Chaos weg.

Etwas, das mir viel mehr zu schaffen macht, ist das Chaos in meinem Kopf.
Kennst du dieses Durcheinander an Gedanken und Ideen, Fragen, Zweifeln, zwischendrin die Einkaufsliste und dieser eine geniale Einfall, der vielleicht gleich wieder weg ist, aber wo war noch mal der Anfang? Gedankenkarussell: Alles dreht sich munter im Kreis.

Ich bin introvertiert. In meinem Kopf ist immer ziemlich viel los. Gäbe es einen Wettbewerb im „Sich-Gedanken-machen“, ich wäre ganz vorn mit dabei.
Das finde ich übrigens gar nicht schlimm. Ich mag mein unterhaltsames Hirn. Aber manchmal ist es auch ein bisschen anstrengend. Dann nämlich, wenn die Gedankflut zum Antreiber wird und mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Was man von Marie Kondo übers Gedankensortieren lernen kann

Was hilft gegen Gedankenkarussell, Sorgenachterbahn und Ideenstress? Schreiben.
Aufschreiben ist eine denkbar einfache Strategie, die überraschende Ergebnisse zu Tage fördern kann. Lustigerweise kann man sich ein paar Dinge vom Ausmisten des Kleiderschranks abgucken.

Aufschreiben ist quasi die KonMari-Methode für Introvertierte und alle, in deren Kopf gerade zu viel los ist.

Und wie geht das jetzt praktisch?

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Erst mal alles auf einen Haufen schmeißen.

Zitat zum Gedanken sortieren: Was beim Entrümpeln klappt, funktioniert auch im Kopf.

Was beim Entrümpeln und beim Aufräumen der Handtasche klappt, funktioniert auch im Kopf.
Nimm dir ein Notizbuch, ein Tagebuch oder einfach ein Blatt Papier und einen Stift. Sorg dafür, dass dich nichts ablenkt. Kein Handy, kein Fernseher, keine Musik. Nur du, dein Schreibzeug und deine Gedanken.
Und jetzt schreibst du alles auf, was dir durchs Hirn geistert. Das muss weder hübsch ausformuliert sein, noch irgendeine Form haben. Und inhaltliche Zusammenhänge brauchen wir auch nicht.
Es kann ein völlig wirres Durcheinander ergeben. Du kannst Sorgen hinter Besorgungen schreiben und Ideen neben Gesprächsfetzen und Erlebnisse.
Schreib alles runter, bis du das Gefühl hast, deinen Kopf leer geschrieben zu haben. Vielleicht dauert es nur fünf Minuten, vielleicht eine Viertelstunde.

Du hast jetzt alles, was dich beschäftigt einfach symbolisch auf dem Bett ausgekippt. Und jetzt kannst du es sortieren.

Schritt 2: Sortieren und ausmisten

Alles aufgeschrieben zu haben, ist schon an sich ein Gewinn. Es heißt ja eigentlich „sich etwas von der Seele reden“, aber man kann sich auch etwas von der Seele schreiben. Einfach dadurch, dass du Gedanken zu Papier gebracht hast, hat sich im Empfinden häufig schon etwas geändert. Du wirst ruhiger und die Dinge werden klarer.

Wenn du magst, kannst du jetzt noch einen Schritt weiter gehen und deine Gedanken sortieren.

Wahrscheinlich befinden sich in deinem Gedankenstrom eine Menge Dinge, die sich mit alltäglichen Kleinigkeiten und spontanen Eindrücken beschäfigen. Das kann z.B. so etwas sein: „es hat gerade angefangen zu schneien. sieht schön aus. hoffentlich schneit es nicht so viel, dass ich wieder schneeschieben muss …“

Dieser Teil ist unterhaltsam und nett, braucht aber keine größere Aufmerksamkeit.

Wenn in meinem Kopf viel los, ist auch einiges aus der Kategorie „Ideen und Aufgaben“ dabei. Diese Dinge kannst du herausfischen und sie direkt auf deine To-do-Liste oder in deinen Planer schreiben. Das Gleiche gilt für Ideen und gute Gedanken: Schaffe einen Ort, an dem du solche Einfälle aufbewahrst. Das kann physisch passieren in einem Notizbuch oder einem Skizzenbuch oder digital in einer App oder einem Dokument. Hauptsache du findest deine genialen Einfälle später wieder.

Und schon sind die wichtigen Dinge sortiert und hübsch gefaltet. Du kannst jetzt beruhigt sein, dass du keine Aufgaben oder Ideen vergessen wirst.

Bleibt noch mindestens eine Kategorie übrig: Sorgen, miese Stimmung, vielleicht machst du dich in Gedanken auch öfter selbst runter. Das gehört eigentlich alles auf den Stapel zum Ausmisten. Ich schreibe eigentlich, weil das deutlich schwerer ist, als das Gerümpel im Keller loszuwerden. Den wichtigsten Schritt hast du aber schon gemacht: Du bist auf das aufmerksam geworden, was dir da durchs Hirn geistert. Wenn dich die gleichen Gedanken immer wieder beschäftigen, bist du jetzt vorbereitet. Du erkennst sie schneller. Hast du dich schon mit beschäftig, hast du aufgeschrieben, damit musst du nicht mehr befassen. Nimm diese Gedanken zur Kenntnis und lass sie einfach weiterziehen. Ab in den Karton und Tschüss. Die brauchst du nicht.

Falls du dich häufiger dabei ertappst, dass du in Gedanken zu dir und über dich negative Dinge sagst (wie „Ich kann das sowieso nicht“, „Das war ja mal wieder typisch“ …), ist das Ausmisten viel, viel wichtiger als es beim Kleiderschrank je sein könnte. Mach dir eine Liste mit guten Sätzen, z.B. Dingen, die du an dir schätzt. Und immer wenn du dich bei der Selbstanschuldigungsnummer ertappst, setzt du ein Aber dahinter: … aber ich bin geliebt. … aber ich habe schon eine Menge schwieriger Dinge gewuppt. …

In Gedanken aufzuräumen ist zwar ein bisschen komplizierter, als den Kleiderschrank auf Vordermann zu bringen, allerdings möchte ich behaupten, dass du länger was davon hast.

Wie ist das bei dir: Bist du ein strukturierter Denker oder ist deinem Kopf auch oft viel los?

Headerphoto by Priscilla Du Preez on Unsplash


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