Und warum sollte man das wollen?

Die meisten Leute mögen Alltag nicht besonders. Und ich kann das verstehen. Das normale Leben besteht zu einem großen Teil aus Aufgaben und Verpflichtungen, die man sich nicht immer freiwillig ausgesucht hat. Man muss zum Zahnarzt, die Steuer machen, arbeiten und sich um den verstopften Abfluss kümmern. Nervige Erwachsenendinge, oft nicht unbedingt unterhaltsam.

Im Alltag knallen selten die Sektkorken. Manchmal ist er eintönig, manchmal unfassbar anstrengend und manchmal denkt man sich dabei: Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Aber hier ist der Knackpunkt: Alltag macht den größten Teil unseres Lebens aus. Und ich weigere mich, diesen Teil einfach nur möglichst schnell hinter mich zu bringen, um mit hängender Zunge das Wochenende zu erreichen. Denn wenn man das bis zu Ende denkt, ist man dabei, mit zusammengebissenen Zähnen durchs eigene Leben zu hasten. Und das ist einfach … nö.

Aber was ist denn die Alternative? Alltag haben wir alle, aber muss der zwingend blöd sein?

Romanticise your life

Ich bin neulich auf das Schlagwort “romantice you life” gestoßen. Der Begriff war neu für mich (auch wenn er schon länger durch die Welt geistert), das Konzept dahinter nicht.

Worum geht es?

Eigentlich bedeutet das nichts anderes als: Mach es dir ein bisschen nett.
Man zelebriert Alltagsmomente, inszeniert sie vielleicht auch ein bisschen, als wären sie ein Filmset. Vor allem aber schaut man bewusst auf die kleinen Momente, nimmt sie wahr und genießt sie. Und da bin ich absolut mit an Board.

Ich kann das zwar nicht eins zu eins auf mein ganzes Leben und den kompletten Alltag übertragen (wer hat schon die Zeit dafür), aber das bewusst und immer wieder zu praktizieren, finde ich ziemlich clever.

Wie sieht das praktisch aus?

Das ist die Theorie. Aber wie romantisiert man sein Leben denn nun praktisch? Hier sind einige Ideen, die ich mag – und natürlich eine Schreibidee dazu.

  • Richte dir eine besondere und besonders schöne Ecke in deinem Zuhause ein. Das kann zum Beispiel ein Schreib- und Leseplatz sein. Was inspiriert dich dort, was gefällt dir? Was ist vielleicht nicht unbedingt nötig, aber schön? Und wenn es der besondere Füller oder die schöne Kuscheldecke ist: Go for it.
  • Essen müssen wir alle. Das kann man nebenbei am Schreibtisch oder beim Lesen der E-Mails machen – oder aber man zelebriert es ein wenig. Deckt den Tisch, benutzt das gute Geschirr, streut frische Kräuter auf das Gericht oder dekoriert mit essbaren Blüten. Das muss nicht alles immer sein, aber immer mal wieder ist schon schön.
  • Das tolle Outfit. Das besondere Parfüm oder die schicken Schuhe – kann man sich natürlich für besondere Anlässe aufsparen. Aber warum nicht einen langweiligen Mittwoch zum besonderen Anlass küren und sich ein bisschen in Schale schmeißen? Dress up. Denn warum nicht?
  • Vielleicht führst du auch ein kleines Ritual ein, dass du so richtig fancy zelebrierst: deinen ganz persönlichen Fünf-Uhr-Tee mit der Lieblingstasse auf dem Tablett und Kandis in einem extra Schälchen und der Zuckerzange, die du zwar nie benutzt, die aber einfach schön ist. Oder du lernst, wie du dir selbst den perfekten Cappucino zubereitest und zündest eine Kerze an, während du ihn am Morgen trinkst. Oder etwas komplett anderes – werde ruhig ein bisschen kreativ.

Die Frage, die all dem zugrunde liegt: Wie schön kannst du es dir machen?

Für Journaler und (Tagebuch-)Schreiber

So sehr ich es auch genieße, manche Alltagsmomente bewusst zu zelebrieren und mich ganz und gar auf sie einzulassen, es gibt eine Sache, die das für mich noch übertrifft: Ich schreibe darüber. Ich erzähle dabei den Moment oder die Situation, als wäre sei ein wichtiger Teil einer Geschichte und als wollte ich, dass jemand anderes sie eins zu eins nacherleben kann.

Statt also nüchtern festzuhalten: „War heute spazieren und habe ein Reh gesehen“, mache ich aus der Episode eine Geschichte.

Ich halte fest, wie das Licht über den Waldweg tanzte und wie es vertrocknete Grasbüschel zum Leuchten brachte. Dass die Stille des Waldes nach dem Rauschen der Bäume klang. Wie der Weg eine Kurve machte und ich mich plötzlich einem Reh gegenübersah, das mich mit bewegungslos anblickte. Ich konnte nicht sagen, wer von uns beiden überraschter war. Aber in diesem Moment, der in der Zeit festzuhängen schien wie eine Spinnwebe zwischen zwei Gräsern, fiel mir auf einmal auf, dass …

Das ist meine liebste Form des Romantisierens. Du tauchst in dein eigenes Leben ein, entdeckst die Geschichten – weil du endlich genau hinschaust. Weil du Worte findest und weil du beobachten lernst. Und auf einmal fällt dir auf, dass in jedem ganz normalen Alltag viele solcher Geschichten leben, die zutage treten, wenn du ein wenig Raum dafür lässt.


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